Kiebitzdamm im Großen Bruch

Der Kiebitzdamm im Großen Bruch bei Dedeleben

In vielfacher Hinsicht besuchen wir mit dem Großen Bruch ein Grenzgebiet: Schon in der Urkunde Königs OTTO III. (980 - 1002) aus dem Jahr 994 über die Verleihung des Markt-, Münz- und Zollrechtes für das Stift Quedlinburg heißt es sinngemäß, dass sich niemand in den Marktrechtsbereich einzumischen hat, „innerhalb der folgenden Grenzen …vom Süden zum Norden von der Unstrut und Helme bis zur Bode und dem Sumpfgebiet, das sich zwischen Oschersleben bis zur Hornburg erstreckt.“ Das Sumpfgebiet als Teil des Oscherslebener Urstromtals ist ein ursprünglich knapp 50 km langes und 1 bis 4 km breites Niedermoorgebiet, ein Sammelbecken des von den angrenzenden Höhenzügen abfließenden Wassers. Bohrungen wiesen fluviatile Sedimente nach, die als elster- und saalezeitlich eingestuft wurden. An der Oberfläche stehen holozäne Niedermoortorfe, Kalkmudden, Wiesenkalke sowie lössbürtige Abschlämmmassen an. Bereits im 16. Jh. begannen unter Herzog HEINRICH VON BRAUNSCHWEIG (1489 - 1568) und dem Kardinal- Erzbischof ALBRECHT VON MAGDEBURG (1490 - 1545), der zugleich Bischof von Halberstadt war, erste Entwässerungsmaßnahmen im Inneren des Großen Bruchs. Lange Zeit vorher wurden bereits drei befahrbare Übergänge angelegt: der Hessendamm im Zuge der Braunschweigischen Heerstraße (heute B 79), der Kiebitzdamm zwischen Dedeleben und Jerxheim (heute B 244) und der Neudamm im Zuge der Heerstraße nach Helmstedt (heute B 245). Einer Idee des Herzog JULIUS VON BRAUNSCHWEIG (1528 - 1589) folgend, einen schiffbaren Wasserweg zwischen Oker und Bode und darüber hinaus zwischen Weser und Elbe zu schaffen, wurde der Hauptgraben erheblich verbreitert und vertieft. Tatsächlich haben danach höfische Lustfahrten auf kleinen Booten stattgefunden und ein Teil des Wasserweges wird so auch heute noch als „Schiffgraben“ bezeichnet. Erst mit dem Bau der nördlich im Bruch verlaufenden Eisenbahnstrecke Oschersleben – Braunschweig 1842/43 erübrigten sich weitere Projekte des Kanalbaus. Die unter preußischer Herrschaft begonnenen umfangreichen Kultivierungsarbeiten wurden schließlich durch Meliorationsarbeiten des Reichsarbeitsdienstes 1933-42 fortgesetzt. Während der deutschen Teilung verlief im Großen Bruch ein Teil der innerdeutschen Grenze, die Eisenbahnstrecke wurde unterbrochen und schließlich nach der Wiedervereinigung aufgegeben. Heute erinnert der Gedenkstein am Kiebitzdamm an die Grenzöffnung am 8. Dezember 1989 und fast beiläufig an die frühere Grenze zwischen Preußen und Braunschweig. Ihren Schrecken hat die Grenze verloren, auch wenn sie heute zum Teil als solche zwischen den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt weiterhin existiert. Reste der ehemals für Menschen unwirtlichen Natur des Großen Bruchs sind im Gebiet der Landmarke 14 bis heute erhalten geblieben. Die größten Teile des Landschaftsschutzgebietes werden als Grünland genutzt, auf dem u. a. der Weißstorch seine Nahrung findet.

Geologie des Gebietes
Der Untergrund des nördlichen Harzvorlandes ist durch Salztektonik geprägt. Infolge Fließbewegungen des Salzes bildeten sich Sättel und Mulden. Dort, wo die älteren Gesteine anstehen (Buntsandstein, Muschelkalk), befinden sich Salzhochlagen und unter den anstehenden jüngeren Schichten (Kreide, Jura, Tertiär) salinare Tieflagen. So fallen im Norden die Muschelkalk-Höhenzüge von Hakel, Huy und Großem Fallstein besonders auf. Im Südosten umgrenzen steilgestellte und herausgewitterte Kreidesandsteine die Strukturen des Quedlinburger Sattels und der Halberstädter Mulde.