Der Mordstein vom Kuhberg

- Gedicht von Albert Klaus -

Der Mordstein vom Kuhberg.

Einsam auf hohem Bergeskamme,
Da steht ein Stein schon lange Zeit
So alt und grau am Kirschenstamme
In stiller Abgeschiedenheit.
Vom Sturm und Regen arg verwittert
Schaut er dich an in stillem Groll,
Und wenn im Wind das Gras leis'zittert
Hörst du sein Lied in düster'm Moll:

 

Einst zog hier durch die Maiennacht,
Als rings die Welt schon lag in Ruh',
Vom milden Frühlingshauch umfacht,
Ein Handelsmann dem Harze zu.
Im Geist daheim schon bei den Seinen,
Das Säckel wohl nicht allzuschwer,
So schob'er handelnd nur im Kleinen,
Die leere Karre vor sich her.
Holzwaren, Mulden und dergleichen,
Fein selbst gemacht mit kund'ger Hand
Im hohen Harz,dem wälderreichen,
Hat er verkauft im flachen Land.

 

Und oft schon war er heimgekehrt
Zu seiner Hütte stillem Frieden,
Mit kargem Lohn und unversehrt,
Doch diesmal war's ihm nicht beschieden.
Von Mörderhand allhier erschlagen,
Blieb ungesühnt die feige Tat,
Weil damals noch in Kindertagen
Sich die Justiz befunden hat.-

 

So geht dort oben seine Weise
Beim sanften Weh'n des Sommerwind's,
In Busch und Halmen raunt es leise.
Des Toten Klagelieder sind's,
An feigen Mord gemahnt der Stein,
Auch trägt er Datum, Nam-und Jahr,
Erzählt der Nachwelt noch allein
Wie hier ein Mensch um's Leben kam.-
Und lenkst du dorthin deinen Fuß,
Kommt noch ein and'res Bild zustande,
Du schickst hinüber deinen Gruß
Dem Brocken dort im Harzer Lande.